Gotland

Beitragsseiten

 Da die Fähre von Oskarshamn nach Öland noch nicht verkehrt, radle ich am 13. Juni nach Kalmar.

kalmar

Vanserum-Bäck

Vom Hafen Kalmar aus bringt mich die kleine Fähre Dessi am 14. Juni in aller Frühe auf die Insel Öland. Auf einem Campingplatz bei Eriksöre schlage ich mein Zelt auf und radle in Richtung Ostküste in das einsam gelegene, mit 416 Hektar ziemlich große Naturreservat Vanserum-Bäck. Hinter einem Weiher, dem Grindmosse, führt ein Weg immer tiefer in die Wildnis. Auf einer Wiese sehe ich wieder Dactylorhiza incarnata - und anders als auf Gotland blüht hier schon die Sumpfstendelwurz, Epipactis palustris.

epipactis palustris

Schließlich hört der Weg auf und ich stelle das Fahrrad ab. Jetzt erkunde ich ein ausgedehntes Moor, das von Wasserläufen durchzogene Högsmossen. Überall blühen Dactylorhiza incarnata - auch Dactylorhiza incarnata subsp. ochroleuca mit größeren und dichteren Blütenständen als die gelb blühenden Formen auf Gotland - und Epipactis palustris, vereinzelt auch Dactylorhiza fuchsii. Gymnadenia conopsea ist hier noch in Knospen. Und dann sehe ich am Rand eines Wassergrabens zum ersten Mal das Torf-Glanzkraut (Liparis loeselii). Es ist winzig, und die Blüte noch viel kleiner. Ich brauche eine Weile, um das Blütenmodell der Orchidee zu erkennen. Die drei Sepalen sind schmal und in verschiedenen Richtungen angelegt. Die rinnige Lippe ist mit Nektar gefüllt. Die beiden Petalen sind noch schmaler als die Sepalen, wie die Fühler einer Schnecke.

liparis loeselii

 Die kleinen Orchideen stehen sehr nass - und ich schließe mich ihnen an, um sie möglichst gut ins Bild zu bekommen.

liparis loeselii 2 

hoegsmossenReichhaltig ist auch die sonstige Flora von Högsmossen, darunter Pinguicula alpina, Menyanthes trifoliata, Primula farinosa und Eriophorum angustifolium. Unter den Gräsern doniniert die Binsenschneide (Cladium mariscus). 

Schließlich nehme ich Abschied von diesem besonderen Ort und radle weiter nach Osten. Das kleine Dorf Runsten heißt nicht nur so, sondern hat auch mehrere Runensteine.

runsten

 

 

 

 

Bei Lerkaka stehen gleich fünf Windmühlen an der Straße. Erfüllt von vielen Eindrücken fahre ich schließlich mit starkem Gegenwind nach Eriksöre zurück. 

lerkaka

Stora Alvaret

Mein zweiter Tag auf Öland, der 15. Juni, ist dem UNESCO-Welterbe der Agrarlandschaft von Süd-Öland gewidmet. Die Weidewirtschaft auf dünner Erdkruste geht einher mit einer einzigartigen Vegetation, die in diesem Jahr aber unter extremer Trockenheit leidet. Mein Ausgangspunkt ist nahe der Ortschaft Skogsby die Station Linné, ein Zentrum für Forschung und Naturkunde. Auch 1959, 1992 und 2016 habe es sehr trockene Sommer auf Öland gegeben, sagt mir Anne Wilks in der Station. Aber in diesem Jahr sei es noch trockener als 2016 und die Weidetiere hätten keine Nahrung mehr finden können. Ich folge einem gut sechs Kilometer langen Rundweg, der mich zunächst an einer Wiese vorbei in einen kleinen Wald führt. Mein Weg wird von den aufgeregten Kiju-Wit-Rufen einer kleinen Gruppe von Kiebitzen begleitet.

alvaret 1

kiebitz

platanthera chloranthaDurch eine Öffnung in der alten Steinmauer gelange ich in einen wie verzaubert wirkenden kleinen Laubwald, begleitet von heftigen Mücken-Attacken. Die kümmern mich aber nicht, weil auf einer Waldwiese Grünliche Waldhyazinthen (Platanthera chlorantha) blühen, darunter eine hoch gewachsene Pflanze mit ausgeprägtem Grün in dem Blüten. Der Weg führt zu Gamla Skogsby, der Alten Waldstadt, mit Überresten von zehn Häusern aus der Eisenzeit. Und ich passiere das Naturreservat Kalkstad mit dichtem Laubwald. Eichen, Eschen, Linden, Ahorn und die Flatterulme (Ulmus laevis) sind hier zuhause. Dann aber beginnt die weite steppenartige Weidelandschaft Stora Alvaret. Die baumlose Heide auf Kalkstein erstreckt sich über 260 Quadratkilometer. Der karge Boden und die Beweidung haben über Jahrhunderte für die Offenheit der Landschaft gesorgt.

 

alvaret 2

Auf dem kargen Boden leben nur darauf angepassten Arten wie die Sukkulenten der Crassulaceae, die in ihren dicken Blättern Wasser speichern und so überleben. Seite an Seite blühen hier die Weiße Fetthenne (Sedum Album) und der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre).

sedum album sedum acre

 

 

 

Zu den besonders charakteristischen Arten von Stora Alvaret gehört das Öland-Sonnenröschen (Helianthemum oelandicum) aus der vor allem im Mittelmeerraum verbreiteten Familie der Zistrosengewächse (Cistaceae).

helianthemum oelandicum

melampyrum cristatumAuf dem Weg über die offene Landschaft folge ich dem Waldrand, wo es nicht ganz so trocken ist. Hier blühen nicht nur Kamm-Wachtelweizen (Melampyrum cristatum) und Glockenblume (Campanula rotundifolia), sondern auch Orchideen. Am häufigsten sind Platanthera chlorantha und Gymnadenia conopsea, die teilweise aus den niedrigen Büschen des Sonnenröschens herauswachsen. Bereits am Abblühen sind Platanthera bifolia, Dactylorhiza incarnata und Neotinea ustulata.

 

 

 

gymnadenia conopsea 2

Auf dem Weg zurück verliere ich die Orientierung auf dem nur locker markierten Rundweg, aber ich kann mich an die Landstraße halten - und an die Empfehlung für die Wanderer: Die Kühe, die im Alvar grasen können manchmal etwas aufdringlich sein, da sie sehr neugierig sind. Aber wenn Sie sie ignorieren, dann werden sie auch Sie in Ruhe lassen! Grabsteine erinnern daran, dass die Straße den Menschen schon vor mehr als 6000 Jahren als wichtige Verbindung diente.

alvaret 3

alvaret 4