Rhodos

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in der Phrygana

Um nicht wieder so lange durch die Vorstädte laufen zu müssen, nehmen wir am 2. April den Bus nach Faliraki, wo die Ostküste von Rhodos beginnt. Hier reihen sich die touristischen Orte aneinander, die Küste ist stark zersiedelt, in der Vorsaison wirken die Hotelburgen wie Geisterstädte. Auf dem Weg entlang der Küstenstraße 95 finden wir abseits der großen Zentren aber auch die ersten Hänge mit typischer Phrygana-Vegetation.

phrygana

Zwischen Aleppo-Kiefern, Zistrosen und Thymian (Thymbra capitata) blühen die König-Ferdinand-Ragwurz (Ophrys regis-ferdinandii) und die Busen-Ragwurz (Ophrys mammosa).

ophrys mammosa 1

Auf dem Weg zur Küste sehen wir bei Afantou auch eine weiß blühende Anacamptis pyramidalis.  

anacamptis pyramidalis 2

kolymbia

Bei sonnigem Frühlingswetter schwimmen wir eine Runde im Meer, ehe wir weiterlaufen nach Kolymbia, einer ausgedehnten Siedlung mit Hotels, Ferienanlagen und wenigen Einwohnern, die das ganze Jahr dort leben. Die vielleicht größte Besonderheit von Kolymbia lernen wir gleich kennen, als wir noch zum Einkaufen loslaufen - einer endlos langen, schnurgeraden Eukalyptusallee zur Fernstraße 95. 

Loutani-Tal

Am 3. April laufe ich alleine los, ins Tal des Loutani, einem im April reichlich Wasser führenden Fluss, der von West nach Ost fließt. Schon bald hinter der Fernstraße lockt mich ein Hang hinter dem Wald, mit großen Kalksteinen und dem charakteristischen Phrygana-Strauch der Griechischen Dornwolfsmilch (Euphorbia acanthothamnos), kalkreiche Standorte bevorzugend, notiert zu dieser Art die Flora von Rhodos von Kleinsteuber u.a. Dazwischen blüht das Italienische Knabenkraut (Orchis italica) und der Kleinblütige Zungenstendel (Serapias parviflora). 

serapias parviflora 1 Wieder im Talgrund, sehe ich im lockeren Pinien- und Zypressenwald auch das Schmetterlingsknabenkraut (Anacamptis papilionacea), die endemische Rhodische Ragwurz (Ophrys rhodia) und Ophrys sicula.

ophrys rhodia 1

An den Sieben Quellen oder Epta Piges, einem im April noch wenig besuchten, sonst aber beliebten Ziel von Rhodos-Touristen, fließt reichlich Wasser in lebendigen Bächen. An solchen Orten sind wohl in der Antike Geschichten entstanden wie die von der Nymphe Rhode, die der Insel ihren Namen gab. Ich laufe durch die Kiefernwälder rings um Epta Piges und finde eine Orchidee, die ich zum ersten Mal sehe, mit schönen großen Blüten. Das muss Reinholds Ragwurz sein, Ophrys reinholdii. Weiter laufe ich das stille Tal hinauf, tief unten rauscht der Fluss, bis links am Weg das Kloster St. Nektarios auftaucht.

ophrys reinholdii 1

 agios nektarios

 

 

 

 

 

Hier entschließe ich mich zur Umkehr, zumal das Wetter umschlägt und gewittrig wird. Aber auch im strömenden Regen gibt es besondere Pflanzen zu entdecken, etwa eine Ragwurz aus der auf Rhodos besonders vielgestaltigen Gruppe von Ophrys holoserica, der wissenschaftlich auch als Ophrys fuciflora bezeichneten Hummel-Ragwurz. Mit etwas gutem Willen ließe sie sich vielleicht als Halia-Ragwurz (Ophrys halia) bestimmen. Diese Art hat Hannes Paulus 2001 beschrieben und benannt nach der Mutter der Nymphe Rhode, der Geliebten des Meeresgottes Poseidon.

ophrys halia

Das Anhängsel der Lippe ist sehr ausgeprägt und nach vorn geschoben. Die gelb-bräunliche Lippe hat eine nahezu rechteckige Form, mit reduzierten Höckern und einem Mal, das sich auf die obere Hälfte der Lippe beschränkt. Das Basalfeld ist mittelgroß und rehbraun, darüber sind die Pseudo-Augen deutlich ausgeprägt. Die Sepalen sind hellviolett, mit einem grünen Mittelnerv, die seitlichen Sepalen nach unten gerichtet, das mittlere leicht nach hinten gestreckt. Die gleichfarbigen Petalen sind dreieckig und von mittlerer Länge. So weit die morphologische Betrachtung, nach der äußeren Form. Welcher Art die Pflanze genetisch am nächsten steht, kann nur vermutet werden. Am vorsichtigsten scheint daher eine Bezeichnung als Ophrys holoserica s.l. zu sein - die Abkürzung s.l. steht für "sensu latu", also in einem weiten Sinne. Der britische Orchideen-Wissenschaftler Richard Bateman wendet sich mit guten Argumenten dagegen, immer neue "Mikro-Arten" zu beschreiben. Er plädiert für eine begrenzte Zahl von Ophrys-Arten, die je nach Standort unterschiedliche Ausprägungen bilden, auch als Folge eines Gen-Flusses mit Einflüssen anderer Arten. In einem Beitrag für die Berichte aus den Arbeitskreisen Heimische Orchideen (Heft 35/1, 2018) spricht er von an already cacaphonous assemblage of innumerable, indistinguishable microspecies, also einer kakaphonen Versammlung zahlloser, nicht unterscheidbarer Mikro-Arten. Im strömenden Regen laufe ich zurück nach Kolymbia, studiere aber noch eine Orchidee aus der Gruppe von Ophrys fusca, mit gelbem Rand, wahrscheinlich eine kleine Schattenliebende Ragwurz (Ophrys cinereophila). Schutz im Unterholz sucht ein Osterluzeifalter (Zerynthia cerisy).

zerynthia cerisy

Kap Vagia

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne und wir laufen zusammen zum Kap Vagia, einem Felsvorsprung an der Küste von Kolymbia. Auf dem Weg müssen wir durch die in der Vorsaison wie eine Geisterstadt wirkende Hotelsiedlung, aber dann gelangen wir auf das langgestreckte Kap mit einer eindrucksvollen Phrygana-Vegetation.

kap vagia

Zwischen Dornwolfsmilch und Affodil (Asphodelus ramosus) blühen dort zahlreiche Ophrys regis-ferdinandii, und auch die mit ihr verwandte und im ganzen Mittelmeerraum verbreitete, auf Rhodos etwas kleiner blühende Spiegel-Ragwurz ist hier noch zu sehen.

ophrys regis ferdinandii 1 ophrys speculum

 

 

 

 

 

serapias bergonii

Außerdem blühen hier oben auch Anacamptis pyramidalis und Anacamptis papilionacea. Anacamptis coriophora supsp. fragrans bildet erst ihre Knospen aus, das könnte aber auch Orchis sancta sein. Und neben Serapias parviflora findet sich hier noch eine weitere Zungenstendel-Art, Serapias bergonii.

Eine besonders schöne Orchidee ist die Große Rhodische Hummelragwurz (Ophrys colossaea) aus der Gruppe von Ophrys holoserica, die sehr viel größer blüht als die Pflanze im Loutani-Tal. Manche dieser prächtigen Pflanzen auf dem Kap Vagia haben markante Flecken in den Sepalen.

ophrys colossaea 1

Auf dem Rückweg begegnen wir noch Ophrys sicula und einer Orchidee aus der Fusca-Gruppe, wahrscheinlich einer Ophrys cinereophila mit gelbem Rand.

Klosterberg Tsambika

Am späten Nachmittag laufen wir den Phrygana-Hang hinauf, auf dessen Höhe das Kloster Tsambika errichtet ist. Wir sehen eine fast verblühte Omega-Ragwurz (Ophrys omegaifera) - später sollen wir diese noch in schöner Blüte sehen. Außerdem auch eine Serapias bergonii und Anacamptis papilionacea. Besonders eindrucksvoll ist hier aber die sonstige Flora, darunter auch eine Rhodische Schachbrettblume (Fritillaria rhodia), die es nur hier auf der Insel gibt und die mir gestern im Loutani-Tal schon zum ersten Mal begegnet ist.

fritillaria rhodia

An einer Felswand blüht ein besonderes Pflänzchen, das wohl ein Tännelkraut ist, also zur Gattung Kickxia gehört, das aber eine andere Färbung hat als die sonstigen Arten dieser Lippenblütler.

kickxia

nach Haraki

Am 5. April laufen wir ein letztes Mal die Eukalyptus-Allee entlang, dann geht es weiter nach Süden, am Berg mit dem Kloster Tsambika vorbei. Im quirligen Städtchen Archangelos setzen wir uns zu Kaffee und Kuchen in ein Café. Danach laufen wir an einem Kiefernwäldchen vorbei, in dem uns Ophrys sicula und rhodia ins Auge fallen. Wir schauen uns den Hang näher an und gelangen weiter oben auf ein Phrygana-Plateau, notieren insgesamt 15 Orchideenarten ins Notizbuch.

ophrys omegaifera 1ophrys cinereophila 1

 

 

 

 

 

Christiane nennt Ophrys omegaifera nur "Pfötchen-Orchidee" - die Lippe ist konvex gewölbt, so dass sie wirklich aussieht wie ein Hundepfötchen. Ophrys cinereophila ist sofort erkennbar, die Blüten sind auffallend klein, der gelbe Rand hebt sich mit deutlichem Kontrast vom tiefen Braun der Lippe ab. Größer sind hingegen die Blüten der Lindos-Ragwurz (Ophrys lindia), die nach dem Städtchen an der Ostküste von Rhodos und der dort verehrten griechischen Göttin Lindia benannt ist.

ophrys lindia 1

 Ähnlich wie diese Ragwurz versteckt sich auch Anacamptis pyramidalis im Dornbusch - hier gibt es Schutz, falls eine hungrige Ziege vorbeikommt.

anacamptis papilionacea 1

Die Busen-Ragwurz (Ophrys mammosa) schiebt ihre Blütenstände weit nach oben und unweit davon sehe ich zum ersten Mal die Dodekanes-Ragwurz (Ophrys heterochila) mit ungewöhnlich großen Blättern am Boden, länglicher Lippe, zugespitzten Höckern und einem großen hellbraunen Basalfeld. Ein eher kleines Basalfeld hat auh eine weitere Ragwurz mit spitz verlängerten Seitenhöckern. Sie erinnert an Ophrys oestrifera, hat aber nicht ganz so markant ausgeprägte Höcker, wie ich es bei der Ophrys oestrifera auf der Krim gesehen habe. Diese Pflanze wird von Kleinsteuber und Hassler (Flora von Rhodos) als Ophrys oestrifera subsp. polyxo oder Rhodische Gehörnte Ragwurz aufgeführt.

ophrys heterochila 1ophrys candica 1

 

 

 

 

 

 

 

Unverkennbar und mir schon aus Apulien und Andalusien vertraut ist die Drohnen-Ragwurz (Ophrys bombyliflora), die auf Rhodos relativ selten ist. 

ophrys bombylifloraDie Vielfalt der Orchideenflora an diesem besonderen kleinen Ort wird ergänzt von Serapias bergonii und Serapias parviflora, Orchis italica, knospender Anacamptis coriophora subsp. fragrans und Anacamptis pyramidalis.dracunculus

Eine besondere Pflanze ist auch die Drachenwurz (Dracunculus vulgaris), die zu den größten Vertretern der Aronstabgewächse zählt.

Am frühen Abend treffen wir in Haraki ein, einem kleinen Fischerdorf mit ganz anderem Charakter als Kolymbia. Wir freuen uns darauf, am nächsten Tag ohne Gepäck die Umgebung zu erkunden. Aber der 6. April ist ein Sturm-und-Regen-Tag, der uns in unserer Unterkunft festhält, weil es vom frühen Morgen bis zum späten Abend in Kübeln vom Himmel herunterkommt. So können wir immerhin sicher sein, dass wir auf dieser Reise nur Standorte mit ausreichend Feuchtigkeit zu sehen bekommen.

nach Pefki und Lindos

Am 7. April freuen wir uns, dass der Regen aufgehört hat und die Sonne wieder da ist. Wir wandern durch Olivenplantagen nach Südwesten. In den Wiesen blühen Serapias bergonii. Auch die Rhodische Ragwurz zeigt sich hier besonders schön.

serapias bergonii 2

 ophrys rhodia 3

ophrys attaviria 1Am Hang eines Kiefernwaldes entdecken wir noch eine weitere Ragwurz-Art, die zur Fusca-Gruppe gehört: Die Attaviros-Ragwurz (Ophrys attaviria) mit einer dunkelbraunen, ziemlich waagrecht ausgerichteten Lippe, die am Rand einen schmalen hellen Rand hat. Benannt ist sie nach dem höchsten Berg von Rhodos, dem Attaviros. In dem stillen Wäldchen an der Straße nach Pilonas blühen auch Ophrys sicula und Ophrys regis-ferdinandii. Christianes "Pfötchenorchidee", Ophrys omegaifera, ist hier schon am Abblühen. Dann wandern wir weiter, aber ich darf noch einmal zurückkehren - weil ich das GPS-Gerät liegen gelassen habe. 

Zwischen Pilonas und Lardos erreichen wir botanisch gesehen den Süden der Insel: Hier sehen wir zum ersten Mal den Karischen Zungenstendel (Serapias orientalis subsp. carica), eine kräftige Pflanze mit großen Blüten, deren Lippe ziemlich breit ist und in einer intensiven Purpurfarbe leuchtet. 

serapias orientalis 1Gegen Abend treffen wir in Pefki ein. Dieses alte Fischerdorf erstreckt sich inzwischen mit seinen Hotels über einen mehrere Kilometer langen Küstenstreifen. Wir übernachten in den Coralli Apartments und bekommen im Restaurant auf der anderen Straßenseite ein gutes Abendessen.

Am 8. April laufen wir nach Lindos. Dieses besondere Städtchen mit seiner antiken Akropolis wollen wir nicht links liegenlassen. Auf dem Weg sehen wir Serapias bergonii und Serapias parviflora, auch Anacamptis pyramidalis blüht. Bevor wir eintreffen sehen wir die Maultiere im Berg, die dafür gehalten werden, Touristen zur Akropolis hochzutragen. Diese hier dürfen sich aber gerade entspannen.

maultiere

lindos

akropolis

Den Weg zur Akropolis hinauf säumen Felsen, die mit der endemischen Hagios-Glockenblume (Campanula hagielia) bewachsen sind, einer reich blühenden endemischen Art. 

campanula hagielia

nach Gennadi

Begleitet von etlichen Regenschauern laufen wir am 9. April weiter nach Süden. In der Nähe von Lardos erkunde ich einen Phrygana-Hang mit Ophrys sicula, Ophrys rhodia und weiß ophrys blitoperthablühenden Anacamptis pyramidalis. Zwischen Salbei versteckt sehe ich hier eine weitere Fusca-Orchidee, die Käfer-Ragwurz (Ophrys blitopertha) mit einem markanten gelben Rand um die längliche braune Lippe, die am Eingang zum Narbengrund hellbraun gefärbt ist. 

Wir sind erstaunt, dass auch die südlichere Ostküste teilweise ziemlich verbaut ist, mit großen, in der Vorsaison vereinsamten Hotelanlagen. Aber dazwischen darf sich die Natur noch entfalten. So finden wir aus dem weiteren Umfeld von Ophrys holoserica eine Orchidee, auf die die Beschreibung von Ophrys calypsus zutrifft, die wir aber erst noch weiter studieren wollen.

An einem sandigen Phrygana-Hang mit schönen Zistrosen blüht auch der Strandstern (Asteriscus aquaticus). Die gelb blühende Pflanze aus der Familie der Korbblütler schmiegt sich dicht an die Erde.

asteriscus aquaticus

In Gennadi begrüßt uns Eleni im Panorama-Hotel. Weil noch etwas Zeit bis zum Abend ist, laufe ich aus dem hübschen Dorf hinaus und komme bald auf einen schönen Phrygana-Hang. Ich lasse mich auch vom lauten Gebell eines Wachhunds nicht abhalten, die Orchideen dort zu erkunden. Im späten Tageslicht leuchten Serapias orientalis subsp. carica und Ophrys attaviria.

serapias orientalis 3       ophrys attaviria 3

 

 

 

 

 

 

Auch Ophrys blitopertha und Orchis italica sind hier zu finden. Und schöne Ophrys mammosa, die steil aus dem Dornbusch herausragen. 

ophrys mammosa 2