Apenninen - Foreste Casentinesi mit La Verna

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Foreste Casentinesi

Am nächsten Morgen folge ich dem schnellen Tempo von Georges und Christine den Berg hinauf. So komme ich bald in die Höhe, ehe ich an einem sonnigen Tag wieder meine Blicke in die Botanik schweifen lasse. Hinter dem Dorf Lonnano mit der romanischen Chiesa dei Santi Vito e Modesto tauche ich in den Süden des Nationalparks Foreste Casentinesi ein, der von alten, naturbelassenen Wäldern geprägt ist. Das Schutzgebiet umfasst eine Fläche von 36.400 Hektar, die zu 84 Prozent bewaldet ist. Häufigster Baum ist mit einem Anteil von 30 Prozent die Rotbuche (Fagus sylvatica), gefolgt unter anderem von der Weißtanne (Abies alba), der Zerreiche (Quercus cerrus) wie der Flaumeiche (Quercus pubescens) und dem Feldahorn (Acer campestre). Den Südostzipfel des Nationalparks bildet der 1289 Meter hohe Monte Penna mit dem franziskanischen Kloster La Verna. 
 
 

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Die Orchideenvielfalt des Nationalparks dokumentiert ein 2023 erschienener Atlante delle Orchidee. Demnach gibt es in dem Gebiet 49 Orchideenarten. Ich durchquere schöne Wiesen mit vielen blühenden Orchideen. Besonders freue ich mich über eine Anacamptis morio, die aus ebenfalls violett blühendem Thymian herausragt. 
 
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Dann studiere ich eine weitere Ragwurz, mit dunkelbrauner Lippe und dunkelbraunem Basalfeld. Die Blüte hat eine kräftige Lippenbehaarung. Nach langem Überlegen komme ich zu dem Schluss, dass dies wohl Ophrys sphegodes ist, mit einer Lippe ohne deutliche Höcker. Der Atlante delle Orchidee führt die Ragwurz der Region als Ophrys classica - doch dieser Name wird inzwischen meist als Synonym von Ophrys sphegodes betrachtet. Franziskus hätte wohl gesagt, diese Blume ist einfach eine Botschaft Gottes, welchen Namen auch immer ihr die Menschen geben wollen.
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027Auch die heller blühende und kleinere Ophrys minipassionis blüht hier. Erst in Knospen028 ist Himantoglossum adriaticum. Bei der Betrachtung dieser Orchidee durchs Objektiv kommt Holger vorbei, wir laufen zusammen bis zum Dorf Casalino und sind dankbar, dass die Hirtenhunde, vor denen am Straßenrand gewarnt wird, heute gnädig gestimmt sind. Im dichten Wald leuchten die hellgelben Blüten von Orchis provincialis. Der Weg führt langsam ins Tal hinab, in dem Menschen im 11. Jahrhundert das Benediktinerkloster Camaldoli bauten.   
 
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Nach Besichtigung der Klosterkirche beginnt ein steiler Anstieg durch den Wald. Hier muss erst vor kurzer Zeit ein Sturm durchgefegt sein. Der Weg ist mühsam, weil immer wieder Baumstämme quer liegen. Erst in der Höhe wird es angenehmer. Im Rifugio Cottozo gönne ich mir eine Pause und plaudere mit Rachel und Emanuele, die dort mit ihrem Hund Station machen. Durch wunderschöne Buchenwälder steige ich nach Badia Prataglia hinab, das ich nach 29 Kilometern etwas erschöpft erreiche.

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Am nächsten Morgen geht es erst in ein Bachtal hinab, dann steil hinauf zum 1134 Meter hohen Poggio Aguzzo. Vorher habe ich noch einen schönen Blick auf das Städtchen Badia Prataglia und passiere einen Fonte del Pellegrino, einen Pilgerbrunnen.

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An Orchideen sehe ich zuerst eine Blattrosette der Bienenragwurz (Ophrys apifera) - diese blüht erst ab Ende Mai. 

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Beim Abstieg vom Aguzzo gelange ich vor dem Dorf Frassineta zu wunderschönen Orchideenwiesen mit Anacamptis morio, Orchis mascula und Orchis provincialis. Der weitere Abstieg nach Rimbocchi ist etwas anstrengend und steinig. Im Ort bekomme ich Kaffee und Kuchen. Dann muss ich die Schuhe ausziehen und die Hosen hochkrempeln, um einen Bach zu durchqueren. 
 
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Steil führt der Weg zum Poggio Montopoli (1022 m) hinauf. Danach komme ich durch eindrucksvolle Eichen- und Buchenmischwälder. Moosbewachsene Felsblöcke säumen den Weg. Das Herbstlaub ist übersät mit den weißen Blüten des Fiederschaumkrauts (Cardamine heptaphyla).
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Den letzten Aufstieg zur Pforte des Felsenklosters La Verna säumen die gelben Blütenköpfe der Herzblättrigen Gemswurz (Doronicum columnae).
 
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La Verna

Durch diesen Wald zu gehen, ist wie ein Wunder. Er heißt Foresta Sacra, Heiliger Wald. In den Felswänden gibt es immer wieder kleine Öffnungen, Eingänge zu Höhlen, in denen Franziskus und seine Gefährten oder Gefährtinnen vor mehr als 800 Jahren ein hartes Nachtlager fanden. Endlich findet mein suchender Blick auch das erwartete Klostergebäude hoch oben auf dem Felsen. Der Weg zieht sich weiter in einem großen Linksbogen, bis ich die Kapelle der Vögel erreiche. 

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Hic ubi quercus erat - hier wo die Eiche stand, wurde dieses dem heiligen Franziskus geweihte Kirchlein im Jahr 1602 errichtet. Die Inschrift erinnert daran, wie Franziskus im Jahr 1214 von einer großen Menge Vögel begrüßt wurde, als er den Berg erklommen hatte. Genannt werden dabei der Schwarzspecht (Dryocopus martius), der Waldbaumläufer (Certhia familiaris) und der Waldlaubsänger (Phylloscopus sibilatrix).  
 
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Dann gehe ich durch ein romanisches Bogentor mit der Inschrift: Non est in toto sanctior orbe mons - im ganzen Weltenrund gibt es keinen Berg, der heiliger wäre. 
 
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Erschöpft gehe ich vor dem Altar des kleinen Kirchleins mit dem Rucksack in die Knie. Diese untere Kapelle Santa Maria degli Angeli zeigt in einem Terrakotta-Relief des Florentiner Künstlers Andrea della Robbia (1435-1525) links die Geburt Christi und rechts die Trauer bei der Kreuzabnahme.
 
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Im Kloster bekomme ich eine höchst willkommene Dusche neben dem Schlafsaal der Pilger und ein großes Bier, das ich zusammen mit Holger trinke. Wir nehmen zusammen an der Vesper der Mönche teil und bekommen zum Abendessen ein feines Pilzrisotto.
 
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Am frühen Morgen, es ist der der 21. April, nehme ich an den Laudes in der Klosterbasilika teil, mit einem besonderen Segen für die Pilgerinnen und Pilger. 
 
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