Sardinien

Ichnusa 

Der alte Name für Sardinien leitet sich vom griechischen Wort für Fußsohle ab, und so lande ich am Ostersonntag (16. April) 2017 an der Ferse, in Cagliari. Beim Anflug fallen die Lagunen für die Salzgewinnung auf, dann erscheinen aus der Luft die beigefarbenen bis hellroten Hausdächer. Mit dem Mietwagen komme ich zu meiner ersten Unterkunft, dem Agriturismo Saludi e Trigu bei Domusnovas. Auf dem Bauernhof ist zu Ostern ein großes Familienfest im Gange. Ich beziehe mein Zimmer und laufe nach Iglesias, um unterwegs einen ersten Eindruck von Landschaft und Flora zu gewinnen.

iglesiascerinthe

Auf dem Weg begleiten mich die kleine, blau blühende Mittags-Schwertlilie (Iris sisyrinchium), die zweifarbige Wachsblume (Cerinthe major) und - aus der gleichen Familie - der blaue Borretsch (Borago officinalis). In einer Pizzeria in Iglesias gibt es nicht nur das erste Abendessen auf Sardinien, sondern auch das erste Ichnusa-Bier.

Grotta di San Giovanni

Am nächsten Tag laufe ich durch die große Karsthöhle bei Domusnovas, 850 Meter lang durch den Berg. Auf der anderen Seite empfängt mich ein schöner Wald mit gedrungenen Steineichen (Quercus ilex). Aber es gibt auch Scharen von Ausflüglern, die sich mit ihren Autos auf der kleinen Straße drängen - später lese ich in der Zeitung, dass diese Gegend ein traditionelles Ausflugsziel am Ostermontag ist. 

grotta

arisarumcyclamen 1


So gehe ich immer wieder vom Weg weg und laufe ein Stück den Hang hinauf. Zu den ersten besonderen Pflanzen gehören das in großer Menge den Waldboden bedeckende Alpenveilchen (Cyclamen repandum), die Stern-Anemone (Anemone hortensis) und der zu den Aronstabgewächsen gehörende Krummstab (Arisarum vulgare). 

Dann sehe ich auch bald die ersten Orchideen: Auf einem Felsen blühen das Langspornige Knabenkraut (Anacamptis morio subsp. longicornu) - zuletzt habe ich das auf Sizilien gesehen - und der Ohnsporn (Orchis anthropophora). Ein wenig weiter steht auch die Keuschorchis (Neotinea maculata) am Wegrand. 

neotinea maculata

Auf einem felsigen Hang finde ich dann die ersten Ragwurz-Orchideen: Die Spiegel-Ragwurz (Ophrys speculum) und eine Pflanze aus der Gruppe von Ophrys fusca. Ihre Blüte hat grüne Sepalen. Die etwas dunkleren Petalen ragen schüchtern unter dem mittleren Sepal hervor, das weit nach vorn gestreckt ist. Die längliche Lippe, dunkelbraun mit einem bläulichen Mal und einem dünnen gelben Rand, ist konkav, dreilappig, der Mittellappen ist zweigeteilt.  Das müsste die vielfach als Doppelhalbmond-Ragwurz (Ophrys bilunulata) bezeichnete Pflanze sein.

ophrys bilunulata

Wenig später begegnet mir die erste Rarität der Insel: Chestermans Ragwurz (Ophrys chestermanii) ist nach dem britischen Amateurbotaniker David Chesterman benannt und kommt nur auf Sardinien vor - und dort wiederum nur in der Gegend von Domusnovas. Die großen Blüten sind ausdrucksvoll mit ihrer dunklen Lippe und einem markant vorstehenden Anhängsel. Das Mal auf der Lippe ist klein, das Basalfeld darüber auch sehr dunkel. Hell sind hingegen die Sepalen und die meist schmalen Petalen, hellgrün bis rosafarben. 

ophrys chestermanii

 ophrys chestermaniiIch folge der kleinen Straße durch das Sa-Duchessa-Tal in Richtung der gleichnamigen Mine. An einer von dem Flüsschen befeuchteten Wiese blüht eine Gruppe mit dem Echten Zungenstendel (Serapias lingua).    

Mit zunehmender Höhe wird die Landschaft reizvoller und orchideenreicher. So sehe ich nun auch die Italienische Wespen-Ragwurz (Ophrys neglecta), die teilweise auch als Unterart von Ophrys tenthredinifera geführt wir. Sie ist etwas kleinblütiger als Ophrys tenthredinifera, hat mit dieser aber das dicht behaarte, nach oben ragende Anhängsel gemeinsam. Etwas zu spät dran bin ich für eine abblühende Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) und eine verblühte Mastorchis (Himantoglossum robertianum). 

serapias lingua

Die Macchia-Hänge im Tal werden dominiert vom Affodil (Asphodelus ramosus), Mastixstrauch (Pistacia lentiscus), Stech-Wacholder (Juniperus oxycedrus), Myrte (Myrtus communis), Kreuzdorn (Rhamnus alaternus) und Baum-Wolfsmilch (Euphorbia dendroides). Dazwischen blühen weiß die Montpellier-Zistrose (Cistus monspeliensis) und die Salbeiblättrige Zistrose (Cistus salvifolius), rosaviolett die Kretische Zistrose (Cistus creticus). Auch der purpurne Schopf-Lavendel (Lavendula stoechas) ist allgegenwärtig. Etwas versteckt blühen auch die ersten Vertreter der Gattung Orchis: das Sardische Knabenkraut (Orchis mascula subsp. ichnusae) und das Provence-Knabenkraut (Orchis provincialis). Auch ein kleiner Herzförmiger Zungenstendel (Serapias cordigera) wächst auf dem Hang. 

ophrys normanii

allium

Auf dem Rückweg zur Kapelle San Giovanni folge ich einem kleinen Wanderweg, der aber schließlich im Nirgendwo endet.Ich kehre zurück und gehe dann doch wieder durch die Höhle. Ein Umweg hat immer seinen Sinn. So freue ich mich nicht nur am Glöckchen-Lauch (Allium triquetrum), sondern auch an einer zweiten endemischen Orchidee, Normans Ragwurz (Ophrys normanii). Die kleinen dreieckigen Petalen erinnern sehr an die Hummel-Ragwurz (Ophrys tentredinifera), die Lippe ist ähnlich dunkel wie bei Ophrys chestermanii, so dass vermutet wurde, dass Ophrys normanii als Hybride von beiden Arten entstanden sein könnte - eine These, für die es bislang keine Bestätigung gibt.

Tempelruine Antas

Am nächsten Tag fahre ich zum antiken Tempel von Antas, der als punisches Heiligtum im 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden und dann von den Römern übernommen wurde. 

antas

Auf dem Tempelareal blühen das Schmetterlings-Knabenkraut (Anacamptis papilionacea) und die Schwarze Ragwurz (Ophrys incubacea). Ich schaue mir einen alten römischen Steinbruch an, wo die Steine für die Tempelpfeiler gehauen wurden - und stelle mir auf dem Rückweg vor, was das für eine Schlepperei für die Menschen war. Dann laufe ich das stille Antas-Tal hinauf. In dem besonderen Wald wachsen Korkeichen.

korkeiche

ophrys normanii

 

Nach dem Feiertagstrubel gestern begegne ich heute kaum einem Menschen. Anacamptis morio subsp. longicornu ist schon am Abblühen, nicht aber eine schöne Hybride mit Anacamptis papilionacea. Jetzt kann ich die Besonderheiten von Ophrys normanii eingehender studieren. Die große Blüte hat die gleichen kurz-dreieckigen Petalen wie Ophrys tenthredinifera, die Sepalen sind rundlich und hell bis rosa-violett. Die Lippe ist trapzezförmig, meist in einem satten Braun, das Basalfeld ist dunkel.

Auch Ophrys incubacea und Orchis anthropophora blühen am Waldrand. Weiter auf meinem Weg komme ich zu einer Gruppe von etwa 30 Drohnen-Ragwurz (Ophrys bombyliflora). Die Blüten sind sehr klein - vielleicht eine Folge der Trockenheit, über die der Getreidebauer vom Agriturismo Saludi e Trigu klagte.

ophrys bombyliflora

serapias ceratinaAuf einem Macchia-Hang beobachte ich eine Wildbiene an einer Serapias lingua. Anders als ich es einmal in Apulien gesehen habe, schläft sie nicht in der engen Blütenröhre, sondern krabbelt hinein und wieder hinaus. Die schwarze Farbe und die weiße Stirnplatte sind charakteristisch für Ceratina cucurbitina, eine Biene aus der Familie der Apidae, die als Bestäuber von Serapias lingua nachgewiesen ist. Und möglicherweise hat Serapias lingua ähnlich wie Ophrys eine Befruchtungsstrategie entwickelt, die auf Sexualtäuschung beruht - bislang war bei allen Serapias-Arten angenommen worden, dass sie Insekten eine Art Höhle bieten und dass es dabei zu einer Bestäubung kommt.

 

In dem besonderen Tal lerne ich auch die Moris-Ragwurz (Ophrys morisii) kennen, benannt nach dem italienischen Botaniker Giuselle Giacinto Moris (1796-1869). Ihre Blüten haben eine braune Lippe mit einem spitzem Ende, oft mit zwei kleinen Punkten unter dem Mal und einem hellen Basalfeld. Sie erinnert mich ein wenig an Ophrys biscutella in Apulien.

Im Eukalyptuswald

Am 19. April verabschiede ich mich vom Bauernhof und den Wäldern von Marganai und fahre nach Norden. Einem Hinweis von Orchideenfreunden folgend erkunde ich einen Eukalyptuswald bei San Gavino Monreale in der Campidano-Ebene. Serapias nurrica finde ich hier nicht, auch nicht mit hellen Blüten, wie sie 2010 für diesen Standort belegt sind. Aber blühen in dem wie verklärt wirkenden lichten Wäldchen großblütige Schmetterlingsknabenkräuter (Anacamptis papilionacea), Serapias lingua und der Herzförmige Zungenstendel (Serapias cordigera), vereinzelt auch Ophrys neglecta. 

anacamptis papilionacea

serapias lingua

serapias cordigera

zum alten Bahnhof Ortuabis

Am frühen Nachmittag treffe ich in Láconi ein, auf der Sarcidano-Hochebene. Das Zimmer Nr. 4 im Albergo Sardegna wird die nächsten Tage mein Stützpunkt sein. Für eine erste Erkundung folge ich der Straße aus der Stadt hinaus, dann einer Nebenstraße und schließlich einem Weg in den Wald hinein, mit der Beschilderung Foresta Funtanamela. Gleich hinter der Schranke sehe ich am Waldrand eine weiß blühende Anacamptis morio subsp. longicornu, zusammen mit Anacamptis papilionacea und der Gelben Ragwurz (Ophrys lutea).

ophrys lutea sm

Anacamptis morio subsp. longicornuIn 660 Metern Höhe ist die Vegetation noch nicht so weit fortgeschritten wie im tiefer gelegenen Süden. Anacamptis morio subsp. longicornu ist hier noch in voller Blüte. Sie blühen hier zu jeweils etwa einem Drittel in ihrer violetten Standardfarbe, in einem hellen Rosaviolett oder weiß. Im Wald wechseln Steineichen (Quercus ilex) mit Steinlinden (Phyllirea spec.) und Wacholder, dazwischen blühen Zistrosen (Cistus salvifolius) und Stern-Anemonen (Anemone hortensis). Auf dem Weg zurück zum Hotel sehe ich auch noch Orchis anthropophora, Ophrys incubacea, Ophrys speculum und Himantoglossum robertianum. Im Hotel ist auch der Pilzforscher Jacques Guinberteau und seine Frau Annie, die auch auf Orchideen-Erkundungen sind. So wird das Abendessen mit lebhaften Fachgesprächen bereichert.

Am nächsten Morgen, dem 20. April, laufe ich durch Láconi, schaue in das Geburtshaus des Hl. Ignatius von Láconi hinein und folge einem Weg in den Wald hinaus. Bald begrüßen mich Anacamptis papilionacea und Anacamptis morio subsp. longicornu. Ein Zaun quer über den markierten Wanderweg nötigt mich zu einem Umweg - aber dort wachsen immerhin Ophrys incubacea und Ophrys neglecta. An der Funtana Sola blühen in 700 Metern Höhe noch die Narzissen. Weiter geht der Weg in Richtung Funtanamela (in der Karte blau dargestellt, die Wanderung am nächsten Tag in rot)

ophrys siculaHier blüht die Sizilianische Ragwurz (Ophrys sicula), die eine länglichere Lippe hat als Ophrys sicula und bei der das braune Mal in den Mittellappen hineinreicht. Auch eine knospende Orchis provincialis steht im Unterholz. Der Wanderweg teilt sich an einem Häuschen der Forstverwaltung, wo sich eine Mitarbeiterin über den Besuch freut. Ich folge dem mit "264" gekennzeichneten Weg, der in einen Wald mit anderem Charakter führt. Hier gesellen sich zunehmend Olivenbäume und Eichen zu den Kiefern. Aus dem Boden wachsen kräftige Limodorum-Triebe, diese Orchidee braucht noch ein bis zwei Wochen bis zur Blüte. An Orchideen finde ich in dem einsamen wie verzauberten Wald sonst nur Orchis mascula subsp. ichnusae. Aber hier blühen auch wilde Pfingstrosen, Paeonien, mit einer endemischen Art, die erst vor einigen Jahren als Paeonia morisii beschrieben wurde. Der Wind weht die leichten Blütenblätter auf den Waldboden.

paeonia morisiiWeiter geht es zum Bahnhof von Funtanamela, an der Eisenbahnstrecke von Isili nach Sorgono, die von 1889 bis 1997 in Betrieb war. Die nächste Station Ortuabis ist mein Tagesziel, das ich zunächst über die Straße, dann über einen kleinen Weg erreiche. An der Strecke blühen Ophrys bombyliflora, Ophrys neglecta, Orchis provincialis, Orchius anthropophora, viele Anacamptis morio subsp. longicornu in allen Farben und auch schöne Ophrys morisii. 

ophrys morisiiorchis mascula ichnusaeAm alten Bahnhof Ortuabis erstreckt sich auf einem kleinen Hügel eine wunderschöne Blumenwiese mit Anacamptis papilionacea, Anacamptis morio subsp. longicornu und Orchis mascula subsp. ichnusae. Auch Himantoglossum robertianum blüht noch in 800 Metern Höhe. Das Wetter schlägt um, eine dunkle Wolkendecke schiebt sich übers Land, Wind kommt auf. Aber die Flora ist zu spannend, um mich davon beeindrucken zu lassen.  

ortuabis

Am Wegrand beobachte ich eine Schwebfliege, die mehr als neun Minuten lang auf einer Eleonore-Ragwurz (Ophrys eleonorae) eine Art Pseudokopulation vollzieht - auch wenn sie nicht als Hauptbestäuber dieser Art gilt. 

 

ophrys eleonorae

Dann mache ich mich auf den langen Weg nach Láconi zurück, begleitet von einem warmen, sanften Regen. Am Straßenrand blüht ein besonders schönes Paar von Ophrys neglecta, auf der Blüte der nach langer Dürre ersehnte Regentropfen. Im Westen glitzert das Meer am Horizont. Die Kirche von Láconi schlägt sieben Uhr.

ophrys neglecta

Santa Sofia di Sarcidano

Am 21. April habe ich noch einen Tag, um die Umgebung von Láconi zu erkunden. Wieder gehe ich zuerst in den Wald von Funtanamela, schlage dann aber andere Wege ein, weiter in Richtung Osten. Mitten im Wald begegne ich auf einer Lichtung einer kleinen Gruppe von Sarcidano-Pferden - diese urtümlichen Pferde sind vermutlich mit andalusischen Pferden verwandt. Etwa 100 Tiere leben auf der Hochebene Sarcidano.

sarcidano pferde

Unweit davon erkunde ich eine andere Lichtung mit vielen Schopflavendel-Pflanzen (Lavandula stoechas). Hier blühen schöne Anacamptis papilionacea und Ophrys bombyliflora, aber auch die April-Ragwurz (Ophrys aprilia) aus der Gruppe von Ophrys tenthredinifera, die etwas größere Blüten hat als Ophrys neglecta und nicht den deutlich abgesetzten gelben Rand der Lippe. 

ophrys aprilia

Weiter geht es durch den lockeren Wald, an alten Hirtensiedlungen vorbei, mit kreisrunden Hütten: Über dem Fundament mit einer Trockenmauer sind lange Äste aufgeschichtet. Die Hüttensiedlung mitten im Funtanamela-Wald wird Gurduxioni genannt. 

hirtensiedlung

Der Wanderweg führt nach Osten, nur vereinzelt blühen hier Himantoglossum robertianum, Orchis mascula subsp. ichnusae und Ophrys neglecta. Dann zeigt ein Wegweiser den etwas beschwerlichen Aufstieg zur mittelalterlichen Kirchenruine Santa Sofia di Sarcidano an. Ihre erste urkundliche Erwähnung ist für 1224 registriert, aber vermutlich wurde die Kirche schon früher im byzantinischen Stil erbaut. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts, so steht es auf einer Infotafel, kamen die Menschen aus umliegenden Hirtendörfern hierher, um Gottesdienst zu feiern.

Santa Sofia di Sarcidano, bei Láconi

Auf der Anhöhe weitet sich der Blick auf frisch verschneite Berge. Und auf dem Hügel blüht die wunderschöne Illyrische Trichternarzisse (Pancratium illyricum), die zu den Amaryllisgewächsen gehört. 

pancratium illyricum

Außerdem blüht in der Höhe von 840 Metern noch das Milchweiße Knabenkraut (Neotinea lactea), das ich zum letzten Mal 2004 auf Sizilien gesehen habe. Zwei Pflanzen sind es nur. Zwischen den langen grünen Blätter von Pancratium wachsen auch Orchis morio subsp. longicornu, auch wieder in weiß, Anacamptis papilionacea und Orchis anthropophora. 

neotinea lacteasantasofia 2

 

 

 

 

 

 

Ich steige wieder hinab und folge dem Wanderweg erst noch ein Stück nach Osten, dann nach Südwesten, in einem weiten Bogen in Richtung Làconi. Jetzt wird die Orchideenflora wieder reichhaltiger. Ich sehe zum ersten Mal die Kleinblütige Hummel-Ragwurz (Ophrys annae). Außerdem blühen auf den Wiesen sehr zahlreich Anacamptis morio subsp. longicornu - sehr oft in der Albiflora-Form, Anacamptis papilionacea, die Hybride von beiden sowie Orchis mascula subsp. ichnusae, die Braune Ragwurz (Ophrys lupercalis), Ophrys lutea, Ophrys bombyliflora und Ophrys morisii.  

Anacamptis morio subsp. longicornu f. albiflora anacamptis papilionacea

 

 

 

 

 

Anacamptis morio subsp. longicornu x papilionacea, Hybride

orchis mascula ichnusae 2

 

 

 

 

 

 

Der Wanderweg führt nun nach Nordwesten, durch schöne Wiesen geht es zurück nach Láconi, wo mich das Hotel Sardegna, ein gutes Abendessen und Gespräche mit Jacques und Annie erwarten.

Locus typicus von Ophrys annae

ophrys annaeAm 22. April verabschiede ich mich von Láconi und fahre nach Norden. Zwischen Ittiri und Alghero suche ich den Ort, an dem die Botaniker Jean Devillers-Terschuren und Pierre Devillers 1992 Ophrys annae beschrieben haben. Ich finde den locus typicus der Art an einem Hang, wo die Orchidee mit dem besonders breiten Anhängsel zwischen Orchis anthropophora und Ophrys lutea wächst, in gut 100 Metern Höhe. ophrys annae sketch

Hier blühen auch die Bienenragwurz (Ophrys apifera), Ophrys lutea, Ophrys incubacea, Ophrys speculum, Serapias lingua, Serapias parviflora, der Kleinblütige Zungenstendel (Serapias parviflora), Orchis anthropophora und Anacamptis papilionacea. In der tiefen Lage ist Ophrys sphegodes schon lange verblüht und zeigt dicke Fruchtstände. Am Anfang sind die Hänge an der zur Chiesa di San Leonardo führenden Straße ziemlich verbuscht. Später sind sie offener, mit schönen Magerwiesen unter einzelnen Eichen. Hier blühen etwa 40 Ophrys annae, mit bis zu 35 Zentimetern Größe und neun Blüten. Die Wiese ist gar nicht so trocken. Ich bin erstaunt, dass ich auch das sonst meist auf Feuchtwiesen verbreitete Lockerblütige Knabenkraut (Anacamptis laxiflora) sehe, das gerade zu blühen anfängt. 

ophrys apiferaanacamptis laxiflora

 

 

 

 

 

 

 

Serapias-Rätsel

Für eine Übernachtung im Norden haben ich mir den Agriturismo Pedru Caddu bei Tula ausgesucht. Am 23. April erkunde ich die Umgebung, fahre ein paar Kilometer nach Norden und laufe dann in etwa 400 Metern Höhe einen Weg entlang. Am Rand blühen Anacamptis papilionacea, Anacamptis morio subsp. longicornu, Neotinea maculata und Ophrys neglecta. Außerdem gibt es hier verschiedene Serapias-Arten, die mir zunächst Rätsel aufgeben. Serapias lingua ist immer eindeutig, auch Serapias parviflora. Aber hier blüht auch eine hochgewachsene Serapias mit dunkelroter und zur Spitze hin eingerollter Lippe, die nicht so breit-herzförmig ist wie bei Serapias cordigera. Dieses Rätsel kann ich nicht lösen. Und ich sehe eine Art, die ich erst später als den Verkannten Zungenstendel (Serapias neglecta) bestimmen kann - die Blüten etwas kleiner als bei den Pflanzen, die ich in Ligurien und der Provence schon gesehen habe.

serapias parviflora      serapias spec     serapias neglecta

Recht häufig ist hier auch Ophrys neglecta. Da hier am Rande des Monte Limbaro kein Kalkboden ist, fehlt Orchis mascula subsp. ichnusae. Und die Anacamptis morio subsp. longicornu blühen hier alle violett, die Albiflora-Formen fehlen hier. Am Wegrand blüht auch das Weichhaarige Schwefelköpfchen (Urospermum dalechampii).

urospermum

Später laufe ich noch durch die Wiesen zwischen dem Agriturismo-Hof und dem Stausee Lago del Coghinas. Hier blühen Serapias lingua, Serapias cordigera, Ophrys neglecta und Anacamptis papilionacea - das Schmetterlings-Knabenkraut hat hier die schmallippige Blütenform.

anacamptis papilionacea

 

Monte Albo

ophrys eleonorae

Am nächsten Tag fahre ich in Richtung Südosten. Mein Ziel ist das Hirtendorf Lula, wo ich mich bei Mariangela im Sa Corte Nova einquartiere. Am Abend laufe ich noch los, mit Blick auf das mächtige Kalkmassiv des Monte Albo. Die Hänge duften nach Zistrosen und Schopflavendel. Am Rand blüht eine Ophrys eleonorae. 

ophrys speculum

monte alboepipactis tremolsii

ophrys morisii 2Nach einem reichhaltigen Frühstück geht heute zum Monte Albo hinauf. Ich fahre ein Stück die kleine Straße entlang bis zum Einstieg in den Sentiero, der zur Punta Ferulargiu (1057 m) beginnt. Der schmale Pfad führt zunächst durch dichten Eichenwald. In etwa 700 Metern Höhe blüht eine Ophrys morisii. Zwischen 800 und 900 Metern Höhe weichtder Wald einer Macchia mit viel Kalkfelsen. Hier blühen schöne Orchis mascula subsp. ichnusae, auch Ophrys speculum, Ophrys funerea und Orchis anthropophora. Eine Epipactis treibt bereits ihre Knospen hoch. Das könnte die -Breitblättrige Ständelwurz (Epipactis helleborine) sein. 

Weil der Sentiero 107 mit seinen Markierungen immer schwieriger zu erkennen ist und die Kalkgeröllhalden immer ophrys funereaunzugänglicher werden, kehre ich vor dem Gipfel um, steige hinunter und laufe zunächst noch etwas an der Straße entlang. Dabei sehe ich im Unterholz eine weitere Art aus der Ophrys-fusca-Gruppe, Ophrys funerea. Die kleine Pflanze hat große dunkelbraune Blüten mit olivgrünen Petalen und einer großen Lippe, die am Ende deutlich zweigeteilt ist und ein langgezogenes Mal hat. Auch eine Neotinea maculata asphodelusreckt ihren Blütenstand im Unterholz hoch.

Danach fahre ich die Straße noch etwas weiter nach Nordosten hinauf und stelle das Auto am Aufgang zum Entiero 105 ab, der zum Aussichtspunkt Janna Pretu Arche (910 m) führt. Dort blühen Affodil und wieder die Illyrische Trichternarzisse, auch Orchis mascula subsp. ichnusae und Ophrys speculum. Aus einer Kalkhöhle schaut eine Ruineneidechse (Podarcis siculus) hervor.

 

podarcus

Im Supramonte

Orchis brancifortii

Am 26. April fahre ich von Lula nach Oliena, am Fuß des Gebirgszugs Supramonte. In den verwinkelten Gassen der Altstadt hilft mir ein Mofafahrer, führt mich aus demLabyrinth hinaus zur Straße, die zum Monte Maccione führt. Bevor der Wald anfängt, finde ich an einer Trockenmauer am Rand eines verwilderten Gartens finde ich Brancifortis Knabenkraut (Orchis brancifortii), benannt nach dem sizilianischen Prinzen Ercole Michele Branciforti (1774-1834). Die wunderschöne, winzige Orchidee ist mit Orchis anatolica und Orchis quadripunctata verwandt und kommt nur im Norden von Sizilien und im Osten von Sardinien vor.

Ich fotografiere mit dem Stativ und zeichne die Pflanze. Zwischendurch plaudere ich mit einer Bäuerin, die mit ihrer Tochter zum angrenzenden Grundstück kommt.

orchis brancifortii

orchis brancifortii 2Dann wandere ich in Serpentinen den Berg hinauf, durch einen schönen Wald mit Eichen, Pinien und Zypressen. Am Wegrand blühen Orchis anthropophora, Anacamptis morio subsp. longicornu - meist dunkelviolett, wenige auch hellrosa, aber keine in weiß. Neotinea maculata sind häufig, aber auch in höheren Lagen meist verblüht. Anacamptis papilionacea blüht hier meist wieder mit breiten Lippen. Und in etwa 800 Metern Höhe blüht noch Himantoglossum robertianum. Beim Abstieg entdecke ich noch im Wald eine einzelne Orchis brancifortii.   

 

pino giovanna

 Abschied

Die letzten Tage der Sardinien-Exkursion vergehen wie im Flug. Am 27. April schaue ich mir den Südwesten von Lula
an, mit Magerwiesen, auf denen aber keine Orchideen wachsen. Abends setzt endlich leichter Regen ein und ich verabschiede mich von Lula und von der Pizzeria mit Pino und Giovanna. Am nächsten Tag bin ich endlich am Meer, in San Giovanni di Sinis. Ich bewundere die byzantinische Kirche aus dem 6. oder 7. Jahrhundert, laufe an der Küste entlang und erkunde auch noch ein Naturschutzgebiet in Strandnähe.

san giovanni di simis

Am Abend komme ich in Cagliari an. Dort ist noch Zeit, um die Stadt zu besichtigen, gut zu essen und am nächsten Tag den Botanischen Garten zu besuchen.

cagliari

botanischer garten

Artenliste

  • Anacamptis laxiflora
  • Anacamptis morio subsp. longicornu
  • Anacamptis papilionacea

  • Epipactis helleborine

  • Himantoglossum robertianum

  • Limodorum spec.

  • Neotinea lactea
  • Neotinea maculata

  • Ophrys annae
  • Ophrys apifera
  • Ophrys aprilia
  • Ophrys bilunulata
  • Ophrys bombyliflora
  • Ophrys chestermanii
  • Ophrys eleonorae
  • Ophrys funerea
  • Ophrys incubacea
  • Ophrys lutea
  • Ophrys morisii
  • Ophrys neglecta
  • Ophrys normanii
  • Ophrys sicula (Sizilianische Ragwurz)
  • Ophrys speculum
  • Ophrys sphegodes

  • Orchis anthropophora
  • Orchis brancifortii
  • Orchis mascula subsp. ichnusae
  • Orchis provincialis

  • Serapias cordigera
  • Serapias lingua
  • Serapias neglecta
  • Serapias parviflora