Dalmatien

Exkursion zum Pelješac

Eine besondere Reise hat der Kroatienexperte Werner Hahn zu seinem Geburtstag organisiert: Zu sechst fliegen wir am 4. Mai 2016 nach Dubrovnik, um eine Woche lang die Flora der dalmatinischen Küste zu erkunden. Am Tag vorher habe ich tatsächlich noch die neue Nikon D500 bekommen, die sich nun gleich bewähren muss.

Orchis paucifloraNach der Landung fahren wir nur wenige Kilometer weit den Gebirgszug an der Adria hinauf und sind nördlich der Ortschaft Uskoplje schon mitten in einem blühenden Magerwiesenhang in etwa 600 Metern Höhe. Das Wenigblütige Knabenkraut (Orchis pauciflora) hätte eigentlich einen anderen Namen verdient - der Blütenstand hat etwa zehn große gelbe Blüten. Zuletzt habe ich diese Pflanze am Monte Gargano in Italien gesehen - die Halbinsel liegt auf der anderen Seite der Adria, die leuchtend blau unter uns liegt. Es ist nicht das letzte Mal, dass uns dieser geografische Bezug begegnet.     

An weiteren Orchideen blüht hier das Kleine Knabenkraut (Anacamptis morio) - hier mit den breiten Seitenlappen der Lippe vermutlich die Stammart, also Anacamptis morio subsp. morio und nicht die Subspezies caucasica mit ihrem vorgezogenen Mittellappen und schmalen Seitenlappen. Außerdem finden wir reichlich das Dreizähnige Knabenkraut (Neotinea tridentata), noch aufblühend die Pyramiden-Hundswurz (Anacamptis pyramidalis) und zwei Ragwurz-Arten: Die Gehörnte Ragwurz (Ophrys oestrifera) mit ihren spitzen Hörnern am Lippenrand kenne ich ebenfalls schon von einem einzelnen Monte-Gargano-Standort und die Istrische Spinnenragwurz (Ophrys sphegodes subsp. tommasinii).  

Der Pirol pfeift, Salbei (Salvia officinalis) duftet zwischen der Kissen-Wolfsmilch (Euphorbia glabrifolia). An weiteren Blütenpflanzen trage ich die Zungenförmige Glockenblume (Campanula lingulata), das Aufrechte Heideröschen (Fumana ericoides), die für Kalkböden charakteristische Nizza-Kreuzblume (Polygala nicaeensis) und die Eibischblättrige Winde (Convolvulus althaeoides) ins Notizbuch ein:

Wir fahren noch ein Stück weiter, zu einem Aussichtspunkt über der Adria. Hier blühen auch die Ohnsporn-Orchidee (Orchis anthropophora) und gelbe Zistrosen (Fumana arabica). Aber die Zeit drängt, die Fahrt auf die Halbinsel Pelješac ist noch weit. In der Abenddämmerung treffen wir bei Antonio ein, wo wir zwischen Weinbergen übernachten, mit einem traumhaften Blick auf viele kleine und große Inseln.

Spitzels Knabenkraut

Am nächsten Morgen fahren wir nach einem opulenten Frühstück auf der Halbinsel in Richtung Süden. Zunächst Orchis spitzeliihalten wir an einer Magerwiese mit Orchis anthropophora und Orchis pauciflora. Im Städtchen Potomje laufen wir den Kiefernwald hinauf. Vorbei an einem Italienischen Knabenkraut (Orchis italica) finden wir einem Hinweis von Roko Čičmir folgend das seltene Spitzels Knabenkraut (Orchis spitzelii), benannt nach Anton von Spitzel (1807-1853), der die Art als erster beschrieb. Die Blüte erinnert mich an Orchis patens, mit feiner Zeichnung in den Sepalen und länglicher Lippe. Die meisten der etwa 30 Pflanzen sind jetzt schon abblühend, aber wir finden auch einige, die noch in voller Blüte sind. Außerdem fängt hier Anacamptis pyramidalis an zu blühen, eine Kleinblättrige Stendelwurz (Epipactis microphylla) reiht gerade ihre Knospen am zarten Blütenstand auf. Zur Waldflora gehören Schwarzkiefer und Aleppo-Kiefer (Pinus nigra und Pinus halepensis), der Milchstern (Ornithogalum comosum) und der Kalkanzeiger Schwalbenwurz (Vincetoxicum huteri). Zahlreich blüht die Strauchige Kronwicke (Hippocrepis emerus). 

Die Erkundung der Halbinsel führt uns weiter in die Nähe von Luka Dubrava. Dort laufen wir durch alte Olivenhaine mit Ophrys oestrifera und Orchis anthropophora. Auch einer Schildkröte begegne ich. Besondere Pflanzen sind hier auch der Gelbe Günsel (Ajuga chamaepytis) und der Durchwachsenblättrige Bitterling (Blackstonia perfoliata). Dominiert werden die Wiesen von den weißen Blüten des Wimperblättrigen Lauchs (Allium subhirsutum), dazwischen gibt es gelbe Fingerkraut-Tupfer (Potentilla hirta). Am Nachmittag sind wir dann im Norden vom Peljesac. Am Straßenrand blüht Bertolonis Ragwurz (Ophrys bertolonii) mit ihrer charakteristischen gekrümmten Lippe und ihrer schönen dunklen Färbung:

Ophrys bertolonii

serapias parviflora

Auch Ophrys oestrifera, abblühende Ophrys sphegodes subsp. tommasinii, Orchis anthropophora sowie das ebenfalls schon abblühende Vierpunkt-Knabenkraut (Orchis quadripunctata) blühen hier. Schließlich kommen wir in eine Wacholderheide mit schönen Wiesen. Dort finden wir neben Ophrys bertolonii auch den Kleinblütigen Zungenstendel (Serapias parviflora) und Anacamptis pyramidalis. 

 

im Land der 1000 Ohnsporne

Orchis quadripunctata Am 6. Mai fahren wir aufs Festland, zwischen Topolo und Čepikuće. Erster Halt ist ein Biotop südöstlich von Topolo. Hier blüht gerade noch Orchis quadripunctata, zusammen mit Ophrys bertolonii. Besonders schön sind die Blüten der Lotwurz (Onosma echioides): Onosma echioides

 

 

 

Weiter geht es in einen Kiefern-Zypressen-Wald südlich von Ošlje. Hier wachsen etliche Orchis quadripunctata, auch eine einzelne Anacamptis Serapias vomeraceamorio, die mit ihren schmalen Seitenlappen der subspezies caucasica entspricht. Südöstlich schließt sich eine locker bewaldete, ausgedehnte Magerwiese an mit einer Vielzahl von Orchideenarten: eine große Gruppe von Ophrys bertolonii, dann wieder Ophrys oestrifera in ophrys bertolonii 2 smunterschiedlichen Färbungen, Ophrys sphegodes subsp. tommasinii, viele Orchis quadripunctata, eine Neotinea tridentata und zwei hier bisher noch nicht gesehenen Arten, dem Pflugschar-Zungenstendel (Serapias vomeracea) und unerwartet auch einer Bocksriemenzunge (Himantoglossum hircinum). 

Dann kommen wir auf eine etwa 400 Meter hoch gelegene Hochfläche südlich von Smokovljani. Dort produzieren Windräder Strom, darunter blühen Tausende von Ohnsporn-Orchideen, viele Orchis pauciflora und einige Orchis quadripunctata. 

smokovljani

Orchis anthropophora x simiaDie Anthropophora-Pflanzen sind meist sehr lang gestreckt. Einige Stunden laufen wir über die weite Fläche, die von der Kissen-Wolfsmilch und grauen Kalksteinen geprägt ist. Wir staunen über einen Hybriden von Orchis anthropophora und Orchis simia - einzeln haben wir Orchis simia hier nicht gesehen. Die Kreuzung zeigt aber deutliche Merkmale des Affenknabenkrauts.  Und noch eine besondere Pflanze finden wir, eine apochrome Ophrys bertolonii:  Ophrys bertolonii

 

Ragwurze auf feuchter Wiese

Aber der Tag ist noch nicht zu Ende. Im etwa 400 Meter hoch gelegenen Grenzdorf Čepikuće - über dem Bergkamm beginnt Bosnien-Herzegowina - liegt gleich an der Straße eine Feuchtwiese, auf der sich das Wasser vom Berg staut. Anacamptis laxifloraDort wächst in vielen Exemplaren das Lockerblütige Knabenkraut (Anacamptis laxiflora), zusammen mit Serapias vomeracea und gleich vier Ophrys-Arten: bertolonii, oestrifera, apifera und incubacea. Wir können es kaum fassen, eine Ophrys incubaceasolche Ragwurz-Fülle auf einer so feuchten Wiese. Auch Austriebe des Wanzenknabenkrauts (Anacamptis coriophora) finden wir dort. 

Auf einer weiteren Wiese oberhalb der Dorfstraße und unterhalb des Friedhofs blühen der Echte Zungenstendel (Serapias lingua), viele Schwarze Ragwurze (Ophrys incubacea), einige Bienenragwurze (Ophrys apifera), Ophrys oestrifera mit sehr langen zugespitzten Hörnern und bertolonii. Außerdem knospen hier Serapias linguaAdriatische Riemenzungen (Himantoglossum adriaticum), Anacamptis pyramidalis blüht meist hellrosa. 

In der Gruppe diskutieren wir angeregt über die Besonderheiten der hier blühenden Ophrys oestrifera, die in der Region auch als Ophrys rhodostephane beschrieben wurde. Hier haben sie kleinere Blüten, die Lippe hat ein schmaleres Basalfeld, die zu Hörnern ausgebildeten Seitenlappen sind noch etwas länger, und die Blütezeit scheint noch etwas später zu sein als bei den bisher gesehenen Pflanzen. Wir nehmen uns vor, am nächsten Tag noch einmal hierherzukommen. 

Am 7. Mai erkunden wir zunächst eine unterhalb von Čepikuće gelegene Feuchtwiese mit Anacamptis laxiflora, Ophrys oestrifera und einer Anacamptis pyramidalis. Im Schutz eines Gebüschs wächst auch eine Rundblättrige Osterluzei (Aristolochia rotunda).

bei Cepikuce

Dann sind wir westlich des Dorfes Podimoć auf einer schönen Magerwiese mit Orchis anthropophora, Orchis pauciflora und Orchis quadripunctata sowie Ophrys oestrifera und Ophrys bertolonii. Hier blüht auch eine sich an den Boden schmiegende Glockenblume, die Dünnblättrige Felsenglocke (Edraianthus tenuifolius).

edraianthus

Orchis pauciflora mit quadripunctata

In einem Kiefernwald wachsen viele Orchis anthropophora und pauciflora, auch eine Anacamptis morio. Und schöne pauciflora quadripunctata Gruppen von Ophrys oestrifera und bertolonii sehen wir. Schließlich laufen wir lange über eine Magerwiese mit Eichen und Karstgestein. Orchis pauciflora ist hier neben anthropophora noch in voller Blüte. Werner erinnert sich dort an eine Hybride aud Orchis pauciflora und quadripunctata. Er sucht so lange, bis er diese besondere Pflanze tatsächlich findet. 

Am Abend haben wir Besuch von der Nachbarinsel Korčula: Mirjana und Nebojša Jeričević sind beim Abendessen dabei und berichten über faszinierende Orchideenfunde auf ihrer Insel. Mirjana ist überzeugt: Alle Orchideen vom Monte Gargano sind auch auf Korčula zu finden. Die Experten in unserer Gruppe sind skeptisch, aber wir vereinbaren, uns am nächsten Tag auf der Insel zu treffen.

Besuch auf Korčula

Ophrys sphegodesAm 8. Mai fahren wir so mit der Fähre nach Korčula, wo Mirjana und Nebojša schon auf uns warten. Erstes Ziel ist ein kleines Wäldchen westlich der Ortschaft Pupnat mit Orchis pauciflora, Ophrys oestrifera, knospender Ophrys apifera, einer auch als Ophrys liburnica beschriebenen Ophrys sphegodes, die schon am Abblühen ist und dann eine besondere Überraschung für diese Region, das Bleiche Waldvögelein (Cephalanthera damasonium). Am Rand einer Wiese blüht die Phönizische Königskerze (Verbascum phoeniceum). Etwas weiter gelangen wir auf eine Hochebene mit Anacamptis morio subsp. caucasica und einer knospenden Grünlichen Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha). Auch eine Serapias bergoniiMessina-Schachblume (Fritillaria messanensis) ist gerade noch am Blühen.

Wir fahren weiter nach Smokvica, wo wir Mirjanas Freundin Marija treffen. Sie führt uns in einen Olivenhain mit dem Schlankwüchsigen Zungenstendel (Serapias bergonii). Marija erzählt, dass sie hier auch Serapias cordigera gesehen hat - aber diese Stelle haben die Olivenbauern gerade gemäht. Dafür wächst im Gras noch die hübsche Jungfer im Grünen (Nigella damascena).

Nigella damascena

orchis purpurea smWir verabschieden uns in Smokvica von Marija und fahren weiter nach Osten, bis wir zwischen Pupnat und der Stadt Korčula Halt machen und in einen Wald hineinlaufen. Unterwegs finden wir Anacamptis morio subsp. caucasica, knospende Epipactis microphylla und Ophrys bertolonii. Dann kommen wir an eine Zisterne und ein verlassenes Gemäuer. Dort blühen das Purpurknabenkraut (Orchis purpurea), Orchis anthropophora, Cephalanthera damasonium und Anacamptis pyramidalis, zusammen mit dem Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens) und dem Frauenspiegel (Legousia falcata).

Dann heißt es Abschied zu nehmen, Nebojša hält das Miteinander noch in einem Gruppenfoto fest, und wir fahren auf unsere Halbinsel zurück.

gruppe

korcula

endemische Glockenblume

Auf Pelješac besuchen wir noch einen Standort an einer Kirche bei Gornja Vrućica mit der Keuchorchis (Neotinea maculata), die bereits Früchte ausgebildet hat, und mit abblühender Orchis italica. Weiter geht es in das abgelegene Dorf Duba Pelješka. Oberhalb der Ortschaft erstrecken sich hübsche Olivenhaine in mehreren Terrassen nach oben, mit vereinzelten Pflanzen von Ophrys oestrifera und Anacamptis pyramidalis. Im Felsen blühte die endemische Dalmatiner Glockenblume (Campanula portenschlagiana).

Campanula portenschlagiana   
Am letzten Tag unserer besonderen Reise sind wir auf unterschiedlichen Wegen unterwegs. Werner, Karel, Jürgen und Rainer erkunden weitere Biotope bei Čepikuće. Ich laufe vom Hotel aus den Hang hinauf und schaue mir die Pflanzen bis zum Bergkamm an, darunter Ophrys oestrifera und die nur auf dem Balkan vorkommende Felsen-Moltkie (Moltkia petraea):

moltkia petraea

Am Hang weitet sich der Blick von der Halbinsel auf Korčula, und irgendwo dahinten muss der Monte Gargano liegen, der mit seiner Orchideenflora auf so besondere Weise mit dieser Region verbunden ist. 

adriablick

Der Weg durch dicht bewachsene Seitentäler ist mühsam, aber unten wartet der Badeplatz auf mich. Danach ziehen wir eine erste Reisebilanz, danken Werner für die besondere Exkursion und packen die Koffer für den Heimflug früh am nächsten Morgen.

badeplatz

Artenliste

  • Anacamptis coriophora
  • Anacamptis laxiflora
  • Anacamptis morio
  • Anacamptis morio subsp. caucasica
  • Anacamptis pyramidalis

  • Cephalanthera damasonium

  • Epipactis microphylla

  • Himantoglossum adriaticum
  • Himantoglossum hircinum

  • Limodorum abortivum

  • Neotinea maculata
  • Neotinea tridentata

  • Ophrys apifera
  • Ophrys bertolonii
  • Ophrys incubacea
  • Ophrys oestrifera
  • Ophrys sphegodes
  • Ophrys sphegodes subsp. tommasinii

  • Orchis anthropophora
  • Orchis italica
  • Orchis pauciflora
  • Orchis purpurea
  • Orchis quadripunctata
  • Orchis spitzelii

  • Platanthera chorantha

  • Serapias bergonii
  • Serapias lingua
  • Serapias parviflora
  • Serapias vomeracea