Andalusien

zum Frühling nach Malaga

Am 7. April 2014 treffe ich in Malaga ein. Weil mein Zelt beim Umsteigen in Lissabon nicht in die kleine Propellermaschine mitgekommen ist, muss ich mir erstmal ein Hotel suchen. Aber immerhin klappt die Sache mit dem Mietwagen.

Am nächsten Morgen erfahre ich, dass meine Reisetasche mit dem Zelt am frühen Nachmittag nachkommen soll. So fahre ich erstmal raus aus Malaga, in Richtung Coin. Dort fällt mir ein Hang mit einer ansprechenden Macchia-Vegetation ins Auge, den ich mir anschauen will.

Blau blühen Schopf-Lavendel (Lavandula stoechas) und die Schwertlilie (Iris sibirica), dazwischen leuchten weiß-gelbe Zistrosen (Cistus ladanifer). Dann gelange ich in einen lichten Kiefernwald mit Wacholder und finde dort eine Gruppe von etwa 25 Spiegel-Ragwurz (Ophrys speculum). Die Blüten sind auffallend groß und prächtig. Unterhalb der Gruppe finde ich auch die Gelbe Ragwurz (Ophrys lutea subsp. lutea) und eine Ragwurz aus der Fusca-Gruppe mit einer sehr konkaven Lippe, die einen gelben Rand hat. Nach einigem Überlegen und Nachschlagen im Delforge komme ich zum Schluss, dass dies eine Ophrys lupercalis sein müsste. Es ist heiß, der Boden ist trocken, die Landschaft liegt nur in 200 Meter Höhe. In einigem Abstand sehe ich eine kleine Imkerei und prompt werde ich von einer Biene gestochen, ohne dass ich ihr meines Wissens einen Anlass gegeben hätte. Ein Stich am Unterarm, der heftig anschwillt und mir noch ein paar Tage zu schaffen macht. 

Ich fahre dann wieder Richtung Malaga und komme durch Alhaurin el Grande, wo ich nochmal anhalte. Am Camino Forestal entlang gelange ich in 450 Metern Höhe in einen Kiefernwald mit Dreiknollen-Knabenkraut (Anacamptis morio subsp. champagneuxii). Oberhalb davon erstreckt sich eine idyllische Macchia-Landschaft mit vielen Gelben Ragwurzen (Ophrys lutea subsp. lutea) und wieder Ophrys speculum. Dann fahre ich nach Malaga, hole am Flughafen meine glücklich gelandete Reisetasche ab und fahre dann in Richtung Norden. Mein Ziel ist der Campingplatz El Torcal in der Nähe der Kleinstadt Antequera. Dort schlage ich im Rücken eines vielversprechend aussehenden Hangs mit Kalkfelsen mein Zelt auf.  

Wacholderwiesen und zerklüftete Karstfelsen: El Torcal

Nach einer sehr windigen Nacht gehe ich zu Fuß los, die Straße entlang in Richtung des Felsmassivs Torcal. Schnell werde ich fündig: Ophrys lutea und Ophrys speculum. Die kleinen Pflanzen schwanken im heftigen Wind, was das Fotografieren zur Geduldsprobe macht. Auf einer anmutigen Wiese mit Wacholder, Ginster und Asphodelus, in 600 Metern Höhe, finde ich eine Schnepfen-Ragwurz (Ophrys scolopax) mit hellen Sepalen. Gleich daneben ist eine kleine Gruppe von Hyères-Knabenkräutern (Orchis olbiensis), die ich zuletzt in Südfrankreich gesehen hatte. Sie sind jetzt aber schon am Verblühen. Nun laufe ich am unteren Hang des Torcal-Massivs entlang und finde dort ein hübsches Schmetterlingsknabenkraut (Anacamptis papilionacea) in voller Blüte - und eine Albiflora-Form von Orchis olbiensis! Der ganze Hang duftet nach Salbei. Weiter oben sehe ich zum ersten Mal das Spanische Knabenkraut (Orchis mascula subsp. laxifloraeformis), das von den Botanikern der Region auch als Orchis langei bezeichnet wird. Es ist noch aufblühend, mit drei Blüten und sechs Knospen. 

orchis mascula

Im Ginster entdecke ich auch eine Wespen-Ragwurz (Ophrys tenthredinifera), weiter unten am Hang blüht die bereits am Vortag erlebte Ophrys lupercalis.

Am 10. April steige ich den Hang hinterm Campingplatz hinauf. Hier blühen viele Ophrys lutea, vereinzelt auch Orchis mascula subsp. laxifloraeformis, Orchis olbiensis und Anacamptis morio subsp. champagneuxii. Leuchtend rot finden sich hier auch kleine Inseln mit blühenden Pfingstrosen (Paeonia broteri). In der allgegenwärtigen Palisaden-Wolfsmilch (Euphorbia characias) hat sich eine Anacamptis papilionacea hineingeschmiegt: 

Ich überquere einen von Wacholder und Affodil (Asphodelus aestivus) geprägten Bergrücken und gelange auf der anderen Seite des Tals in einen Kiefernwald mit Ginster und Wacholder. Hier blüht Ophrys lutea, und Ophrys speculum lässt seinen blauen Spiegel in der Sonne glänzen. Im Unterholz entdecke ich eine bereits abblühende Ophrys scolopax. Schöne Blüten hat auch Ophrys lupercalis mit stark konvexer Lippe und langen bräunlichen Petalen. Und dann lerne ich auch die iberische Schachbrettblume kennen, Fritillaria lusitanica. Ein kleiner Pfad führt mich auf eine Waldlichtung mit Zistrosen. Dort fällt mir nahe einer gedrungenen Kiefer eine ungewöhnliche Blütenform und -farbe am Boden ins Auge: Das tiefdunkle Violettbraun einer Ophrys atlantica! Das kleine Pflänzchen ist nur sechs Zentimeter groß, im Verhältnis dazu erscheint die langgestreckte Blüte riesig. Sie liegt auf einer Knospe auf. Am Lippengrund schimmert ein bläuliches Mal, mit schwach rötlichem Rand. Die gewellten Petalen sind sehr groß, nach hinten zurückgeschlagen. 

Nach zwei Tagen an den Rändern des Torcal steige ich am 11. April mitten hinein ins Karstmassiv, das bis zu einer Höhe von 1400 Metern aufragt. Ich folge dem Wanderweg durch die aufregende Felsenlandschaft.

In etwa 1200 Metern Höhe blüht auf einer Wiese zwischen Kalkfelsen eine Wespen-Ragwurz (Ophrys tenthredinifera) mit dunkelvioletten Sepalen. Später stehen am Wegrand zwei große Himantoglossum robertianum, etwa 60 Zentimeter hoch. Unterhalb des Informationszentrums zum Torcal gehe ich noch einmal über die Wiesen, sehe aber nur eine einzige Ophrys lutea. Der Grund wird bald sichtbar - Schafe, die sich auch auf den Felsen sehr sicher bewegen, weiden jedes kleine Stückchen Grasland ab.

Rund um Ronda

Nach vier Nächten baue ich das Zelt ab und gehe noch einmal in das Wäldchen mit der Ophrys atlantica. Am Morgen zeigt sie sich in einem anderen Licht und ich hole auch die fehlenden Biotop-Fotos nach. Dann breche ich nach Ronda auf. Nach einem Rundgang durch die Straßen der Stadt fahre ich zum Camping El Sur und schlage mit Blick auf Ronda und die Sierra di Grazalema mein Zelt unter einem Olivenbaum auf. Am Abend gehe ich noch ein wenig die Umgebung erkunden. Gleich am Straßenrand blühen Ophrys lupercalis und Ophrys speculum. Eine einzelne Ophrys lutea ist kaum zu riechen, eine Gruppe von etwa 20 dicht zusammen stehenden Blüten entfaltet aber einen kaum merklichen feinen Duft.

Der 13. April ist Palmsonntag. Ich laufe an einem sonnigen Morgen vom Campingplatz nach Westen in Richtung Benmoajá, vorbei an rosa blühenden Gladiolen (Gladiolus illyricus) und bereits ihre Früchte zeigenden Feigen. Am Weg blühen viele Ophrys lutea, Ophrys speculum und Ophrys lupercalis. Dann entdecke ich im Gras eine aufblühende Drohnen-Ragwurz (Ophrys bombyliflora). 

An einer Abzweigung zu einem Bauernhof gibt es auch einen Zungenstendel - noch nicht aufgeblüht, aber aufgrund von Standortangaben aus dem Aufsatz "Thé Orchids of the Province of Málaga (von Michael R. Lowe im Journal Europäischer Orchideen 1998) muss dies der Kleinblütige Zungenstendel (Serapias parviflora) sein. Den Abstieg zur Estación de Benmoaján spare ich mir, weil ich in Ronda noch die Prozession zum Palmsonntag sehen möchte: In hellen Gewändern und schwarzen Kapuzen ziehen die Menschen durch die Straßen. Auch die Kinder sind mit dabei.

Am 14.4. fahre ich nach Cortes de Frontera und laufe dort einen Wanderweg entlang, hinein in die Sierra de Gazalema. Hier fällt mir eine Staude mit merkwürdigen Blüten ins Auge, die ich später als Holunderblättrige Braunwurz (Scrophularia sambucifolia) bestimme.

Begleitet werde ich von Ophrys lutea und Ophrys lupercalis - auch eine Hybride zwischen beiden Arten begegnet mir. Auf einer mit Ginster umstandenen Wiese steht unter einem Olivenbaum ein einzelnes Italienisches Knabenkraut (Orchis italica) in voller Blüte und duftet gegen den intensiven Ginster an. Etwas weiter blühen Ophrys bombyliflora am Wegrand. Oberhalb davon erkunde ich einen reizvollen Magerwiesenhang mit Ginster, Asphodelus, kleinwüchsiger Iris und einem Milchstern (Ornitholgalum orthophyllum). An Orchideen finden sich hier schöne Ophrys lutea, eine Ophrys speculum und ein bereits fruchtendes Himantoglossum robertianum. 

Am Tag darauf fahre ich nach Grazalema, dem Ort, nach dem die Sierra di Grazalema benannt ist. In der Kleinstadt Grazalema habe ich etwas Mühe, den auf der Karte angezeigten Wanderweg zu finden. Aber dann geht es an einem Campingplatz den Berg hinauf. Vorher sehe ich schon am Straßenrand Orchis mascula subsp. laxifloraeformis, mit breiten stark gefleckten Blättern und gerade aufblühend. Außerdem sind dort Orchis olbiensis und Ophrys lutea zuhause. Der Wanderweg führt in eine anmutige Berglandschaft, mit vielen Kalkfelsen, Asphodelus, blauen Lilien, Ornithogalum und kleinen Kiefernhainen. In einem dieser kleinen Wäldchen stellt sich mir ein Jungstier in den Weg - na gut, ich geh außen rum.

Oberhalb von etwa 900 m ist Orchis mascula subsp. laxifloraeformis noch knospend, während Orchis olbiensis noch in voller Blüte steht. In einem Kiefernwäldchen werde ich von einem Schwertblättriges Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) überrascht. In etwa 1200 m Höhe kehre ich um. Dort wachsen winzige Blumen, sehr hübsch in hellviolett: Crocus nevadensis. Auf dem Rückweg studiere ich in einem Felsen das Fossil eines riesigen Ammoniten.

fossil

Wieder in Grazalema laufe ich noch zur Ermita di Calvario, einer Kapelle aus dem 18. Jahrhundert, die 1936 im Spanischen Bürgerkrieg zerstört wurde und nun als malerische Ruine daran erinnert. Auf dem Weg sehe ich eine Orchis italica und zwei Anacamptis morio subsp. champagneuxii. 

Am 16. April breche ich nach dem Frühstück vorm Zelt zur gleichen Wanderung auf wie am Palmsonntag, möchte heute aber weiter laufen. Am Wegrand grüßen wieder Ophrys lutea, Ophrys lupercalis, Ophrys speculum und Ophrys bombyliflora. Und heute hat auch sich auch schon die erste Blüte der Serapias parviflora geöffnet. Kuckuck, Nachtigal und Lerche begleiten mich und so überquere ich ein drittes Tal, um dann hinaufzulaufen nach Benoaján. Dort halte ich eine kleine Mittagsrast mit Tapas. Danach laufe ich die Straße entlang nach Montejacke, einem Bergdorf mit arabischen Ursprüngen.

Dahinter beginnt ein Wanderweg durch eine Senke mit schöner Magerwiesen-Flora. Neben vielen Ophrys lutea finde ich hier auch eine Ohnsporn-Orchidee (Orchis anthropophora) in etwa 700 m Höhe. Auf dem angrenzenden Hang wachsen auch vereinzelt Ophrys speculum und - bereits verblüht - Ophrys lupercalis. Als ich mich innerlich für einen langen Rückweg wappne, sehen mich zwei Männer in einem Kleinbus am Hang. Wir kommen ins Gespräch, sie sind auf der Suche nach Schmetterlingen, aber auch an der Flora interessiert. Und sie nehmen mich nach Ronda mit.

Sierra de las Nieves

Am 17. April nehme ich Abschied von Ronda und vom Camping El Sur und fahre in die Sierra de las Nieves. Bei Yunquera folge ich einem nach Westen führenden Wanderweg, dem Sendero Yunquera - Los Sauces. Der Weg führt zunächst durch Olivenhaine am Rand der Kleinstadt. Zwischen Zistrosen, Ginster und Convolvulus althaeoides treffe ich auf eine Ophrys scolopax, schon fast abgeblüht. Bald darauf blüht zwischen Zistrosen eine Gruppe von 14 Pflanzen,Ophrys scolopax, einige noch in voller Blüte und mit Knospen. Und daneben - beinahe hätte ich es übersehen - ein Wohlriechendes Wanzenknabenkraut (Anacamptis coriophora subsp. fragrans). An einem Kastanienwäldchen verliere ich den Weg. Ein Landarbeiter zeigt mir, wo der schmale Pfad weiter geht. Ich helfe ihm, geschlagenes Holz auf seinen Pferdewagen aufzuladen. Der Weg führt in den Naturpark hinein, durch ein bewaldetes Tal. Im Kiefernwald blühen Ophrys lutea und Ophrys lupercalis mit konvexer Lippe, gelbem Lippenrand, länglichem Mal und gewellten Petalen. Weiter ins Tal hinauf überrascht mich in 840 Metern Höhe eine Gefleckte Waldwurz (Neotinea maculata). Ihre winzigen Blüten sind ohne jedes Pigment - also eher nicht gefleckt. Danach sehe ich noch weitere Pflanzen dieser Art mit violetten Markierungen in der Blüte, der Unterschied ist deutlich. Weil ich die Sierra de las Nieves wieder verlassen muss und noch am Abend nach Alhaurin el Grande will, kehre ich schließlich um. Unterwegs mache ich hautnahe Bekanntschaft mit der Spanischen Kratzdistel (Ptilostemon hispanicus), die ihren Namen zu Recht trägt, aber auch von eigener Schönheit ist.

Sierra de Mijas

An meinem letzten Tag in Andalusien nehme ich mir noch einmal Zeit für die Sierre de Mijas. Ich habe mir ein Quartier im Hotel El Mirador genommen, direkt gegenüber vom Camino Forestal, der hinter einer kleinen Siedlung in einen Kiefernwald führt.  

Zwischen Kiefern, Olivenbäumen und Zistrosen blühen zwei Serapias parviflora, eine Orchis olbiensis ist bereits abgeblüht. Auf dem Weg begegnen mir Anacamptis morio subsp. champagneuxii und Ophrys lutea. Dann sehe ich im Kiefernwald auch zwei Ophrys atlantica, anders als im höher gelegenen Torcal hier schon leicht abblühend. Und Ophrys lupercalis ist in dieser relativ niedrigen Höhe von etwa 420 m schon ganz verblüht. Dann aber steige ich etwas höher hinauf und komme auf eine Hangwiese mit etwa 200 Anacamptis morio - und werde hier von einer Gruppe von sechs Ophrys atlantica überrascht, die in 550 m Höhe noch etwas besser in Blüte stehen. Auch Ophrys speculum gibt es hier. Im oberen Teil einer Schneise unter einer Hochspannungsleitung blühen ebenfalls viele Anacamptis morio - und eine Neotinea maculata, die auch hier wieder ganz pigmentfrei ist. Noch höher schließt sich eine weitere Wiese an, mit Ophrys scolopax, mehreren Neotinea maculata und einer verblühten Orchis italica. 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

  Artenliste:

  • Anacamptis coriophora subsp. fragrans
  • Anacamptis morio subsp. champagneuxii
  • Anacamptis papilionacea

  • Cephalanthera longifolia

  • Himantoglossum robertianum

  • Neotinea maculata

  • Ophrys atlantica
  • Ophrys bombyliflora
  • Ophrys lupercalis
  • Ophrys lutea subsp. lutea
  • Ophrys scolopax
  • Ophrys speculum 
  • Ophrys tenthredinifera

  • Orchis anthropophora
  • Orchis italica
  • Orchis mascula subsp. laxifloraeformis
  • Orchis olbiensis

  • Serapias parviflora